Einblicke - Ausblicke

Ch. Walter Verlag
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ISBN 3-909149
ZKB 1129-031.658

«Einblicke - Ausblicke» verschafft Ihnen detaillierte Informationen zu den 60 untenstehenden kulturhistorischen Landschaftsobjekten. Die nachfolgenden Muster zum Freihof in Wolfhausen und zur Torfgewinnung im Hüsliriet zeigen den Aufbau der vor Ort bei jedem Objekt montierten Tafeln.
 
Am Schalter der Gemeinderatskanzlei kann eine Broschüre mit Kartenausschnitten aller Standorte gratis bezogen werden. Das Büchlein mit den Texten aller 60 Tafeln können Sie beim Ch. Walter Verlag direkt bestellen.
 

Der Freihof

Der «Freihof», der als stattlicher Fachwerkbau alle alten Häuser von Wolfhausen überragt, stammt aus dem Jahre 1785. Auf beiden Türstürzen der rückwärtigen Eingänge sind nebst den Jahrzahlen die Initialen H.I.W. eingehauen, die Anfangsbuchstaben des Erbauers Hans Jakob Wild aus Herschmettlen. Er gehörte mit den Bühler, den Weber, den Hottinger und den Maurer zu jener bäuerlichen Oberschicht, die durch selbständigen Textilhandel reich geworden war.
 
1801 bewarb sich Wild um die Eröffnung einer Wirtschaft, die er auch gleich als «Taverne» bezeichnete. Doch schon im nächsten Jahr musste er unter Strafandrohung diese Bezeichnung rückgängig machen. Von Wilds 12 Kindern betrieb ein Sohn im westlichen Teil des «Freihofs» eine Bäckerei, ein anderer führte in der stattlichen Scheune hinter dem Riegelhaus einen Landwirtschaftsbetrieb. Der jüngste Sohn Johannes, hochbegabt und von früher Jugend an im väterlichen Baumwollgeschäft tätig, wurde erfolgreicher Industrieller, Kantonsrat und schliesslich Nationalrat im neugeschaffenen Bundesstaat.
 
Über hundert Jahre lang, von 1875 bis 1979, war der westliche Teil des «Freihofs» im Besitz der Familie Baumann. Robert Baumann-Wirz (1849 – 1901) – Bäcker, Bauer und Wirt – kaufte als junger Mann den «Freihof». Er war ein rastlos tätiger Mann, ein begabter Redner und Wolfhausens führender Kopf. Als Robert Baumann bereits mit 52 Jahren starb, führte seine Frau mit den Söhnen den Betrieb weiter.
1889 erwarb Friedrich Rehm den östlichen Teil des Hauses und betrieb im geräumigen Keller und im Nebeng
ebäude seine Spenglerei. Im Erdgeschoss richtete er einen Spezereiwarenladen mit Wurstverkauf und im 1. Stock einen Laden mit Haushaltungsartikeln ein.
 

Torfgewinnung im Hüsliriet

 «Das grösste Dorf der Gemeinde ist jetzt verschwunden – ich meine das Turpenhüttli-Dorf im Hüsliriet. Gegen 30 solcher Turpenhüttli standen damals auf dem Ried. Verschwunden!»
 
Verschwunden ist die ganze «Turpenherrlichkeit», die das «Schuldenpürli», der Wolfhauser Volksdichter Johann Caspar Bühler (1850 – 1937), so anschaulich beschrieben hat. Verschwunden sind auch die zahllosen Torfstiche, Prügelwege, Kehr- und Auslegeplätze, die dieser wichtige Erwerbszweig einst erforderte.
 
Und dabei ist gerade die Bubiker Gegend die erste gewesen, von der aus sich das «Schwarze Goldfieber» über das ganze Land ausbreitete. Das ist kein Zufall. Bubikon war seit alters her eine der waldärmsten Gemeinden des Zürcher Landes, und schon früh herrschte ein akuter Holzmangel.
 
1770 war die Torfausbeutung im Bergli- und im Hüsliriet in vollem Gange. Um die Torfgewinnung in geordneten Bahnen zu halten, bestimmte ein Gemeindebrief, dass kein «frömbdes» Volk zum Ausgraben angestellt werden durfte, auch war zumindest anfänglich der Verkauf von Torf nach auswärts streng
verboten. Später allerdings wurde der Torfverkauf zu einem willkommenen Nebenverdienst. Durch die rund 150 Jahre dauernde Ausbeutung wurden die beiden Feuchtgebiete um mehrere Meter abgesenkt.